Wenn der Geräteanbieter die Inhalte bestimmt

23.02.2010 11:21 Uhr Andreas
Mobile Marketing

Andreas

Apple gibt sich prüde und schmeißt 5.000 Programme aus seinem App Store. Es soll wohl familienfreundliche Politik für das iPad sein, ist aber eher haarsträubende Zensur.
 
Apple teilte dem Entwickler Jon Atherton mit, dass künftig in iPhone-Apps keine nackte Haut mehr zu sehen sein darf. Als er nachfragte: “Und was ist mit einer Burka?”, wurde der Zuständige bei Apple ärgerlich.

Es gibt gute Gründe, dieses Programm bescheuert zu finden: Mit iWobble kann man das iPhone in einen Brüste-Schüttler verwandeln. Beliebige Fotos von leicht bekleideten Frauen lassen sich mit iWobble so verändern, dass das Wackeln des iPhones weibliche Geschlechtsmerkmale zum Schaukeln bringt. Das ist geschmacklos. Pornografie allerdings auch. Als aufgeklärter Mensch sollte man jedoch damit leben können, dass Männer so etwas komisch finden können. Denn Zensur, das lehrt die Geschichte, ist ein größeres Übel als schlechter Geschmack.

Apple ist anderer Meinung. Entschied man sich doch vor kurzem, das seit acht Monaten gelistete Programm aus dem App Store zu entfernen. Derzeit versucht der Konzern, diesen auszumisten – und gibt sich dabei prüder als ein amerikanischer Vorabendfilm: Alles fliegt raus, was nur im Entferntesten anzüglich scheint. Bild.de muss die relevanten Partien seiner Seite-eins-Mädchen schon seit Jahresbeginn mit weißen Blitzen unkenntlich machen. Stern.de flog vorübergehend gar vollständig aus dem App Store, weil eine Bilderstrecke zu Erotik Art den Amerikanern zu schlüpfrig erschien.

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